Kieler Nachrichten (16. September 2009) Vokalquartett Thios Omilos: Chorale Brückenschläge zwischen Welten
Kiel. (Jörg Meyer) - Dass Thios Omilos, was so viel wie „göttlicher" oder „wilder Haufen" heißt, bei ihrem A-cappella-Konzert im Bach-Saal der CAU wegen des erkrankten zweiten Tenors Cornelius Frommelt nur zu viert auftreten (Patrick Grahl, Tenor, Tobias Ay Bariton, Philipp Goldmann und Emanuel Jessel, Bass), tut der stimmlichen Kraft der ehemaligen Mitglieder des Leipziger Thomaner-Chors kaum Abbruch. Das wird schon im als Eingangsgebet für den Auftritt verstehbaren Herr, tue meine Lippen auf vom gegenwärtigen Thomaskantor Georg Christoph Biller deutlich. Selbst in den modernen Harmonien wird hier der Geist Johann Sebastian Bachs spürbar. Überhaupt inszeniert das Quartett selbst die weltlichen Kompositionen des zweiten Konzertteils, der über Couplets der Comedian Harmonists bis zu Can't Buy Me Love von den Beatles in einem „Madrigal"-Arrangement der King's Singers reicht, nicht so, wie man es im A-cappella-Genre gewohnt ist. Thios Omilos verstehen sich nicht als konzertanter Haufen von A-cappella-Solisten. führt nicht nur zu in ihrer Schlichtheit hoch transparenten Interpretationen von Bach-Chorälen, sondern kommt auch dem romantischen Repertoire des Quartetts zugute. Zumal es in dessen weltlichem Teil wahre Raritäten zu entdecken gibt. Wo „Alkohol, Liebe, Exzesse und Todessehnsucht", so Emanuel Jessel scherzhaft, eine romantisch fließende Allianz bilden, adelt der Jubiliar Felix Mendelssohn-Bartholdy derbe Trinklieder von Goethe und feinsinnigen Preziosen, wenn der diesmal durchaus „wilde Haufen" sie so singt, dass man ahnt, dass „Weinseligkeit" eine göttliche sein kann. Auch romantische „Komponisten der (vermeintlichen) B-Liga" schaffen so den Klassensprung. Namentlich Carl Löwes Der Fichtenbaum nach einem Gedicht von Heinrich Heine. Der Herausgeber der Erstausgabe irrte nicht, als er das fugierte „Schlummermotiv" am Beginn und den „prachtvollen Übergang zur zweiten Strophe" als „höchste Kunst des Männerchorgesangs" lobte, wie Philipp Goldmann kolportiert. Zwischen Löwes kecker Ballade vom Kloster Grabow und Billers seidigem Verleih uns Frieden liegen nicht nur Zeiten, sondern auch Welten. Dennoch gelingt es Thios Omilos, über beides chorische Brücken zu schlagen und so in geistlicher wie weltlicher Musik die gemeinsame Schnittmenge offenzulegen. Der Geist, gerade der göttliche, wird Welt in der Gewitztheit - vielleicht die schönste Entdeckung dieses Abends.
HNA (22. Juli 2009) Die Beatles mal anders Kultursommer-Konzert mit fünf Vokalartisten aus Leipzig
Altmorschen. (ylb) Ungewohnte Klänge schallten am Dienstagabend aus der Kirche des Klosters Haydau. Dort begeisterte das Vokalensemble Thios Omilos - zu deutsch der göttliche Haufen - mit Motetten, Choralsätzen, Madrigalen und Beatles-Klassikern. Veranstalter war der Kultursommer Nordhessen. Das fünfköpfige Ensemble legte punkt 20 Uhr in der vollbesetzten Kirche mit einem Stück von Georg Christoph Biller los. Dabei verwöhnten die Sänger ihre Zuhörer wie überhaupt im ersten Konzertteil mit Stücken von Johann Sebastian Bach und geistlicher Musik, indem sie der Konzertgemeinde die vielen Klangfarben ihrer Stimmen offenbarten. Nach einer kurzen Pause wechselte das Vokalensemble das Programm und zeigte, dass geistliche und weltliche Literatur von der Renaissance bis hin zur Moderne gar nicht weit auseinander liegen muss. Dass der Abend ein voller Erfolg war, zeigten die Rückmeldungen der Zuhörer. "Ich bin einfach begeistert von Thios Omilos, jede Stimme ist für sich etwas besonderes", sagte Gerda Schotola aus Kassel. Auch ihre Freundin Erika Mühlstein, die den Weg von Vellmar nach Morschen fand, kam aus dem Staunen kaum raus: "Die Lieder gingen unter die Haut". Michael und Brunhilde Joost, die aus der Gemeinde Fuldatal angereist waren, konnten bereits in Leipzig den vollen Thomanerchor erleben, jetzt wollten sie das Quintett als Einzelensemble hören. "Dass fünf Stimmen allein so toll klingen, hätten wir nicht gedacht. Es war ein akustischer Genuss". Seit 2002 gibt es das Männervokalensemble Thios Omilos, das aktive Mitglieder des Leipziger Thomanerchores gründeten. Seither überzeugen die fünf Sänger Patrick Grahl, Cornelius Frommelt, Tobias Ay, Philipp Goldmann und Andreas Emanuel Jessel mit Vielseitigkeit bei Konzerten im In- und Ausland. 2007 reisten die Vokalartisten beispielsweise bis nach China, um ihr Können zu präsentieren. Ihre musikalische Heimat bleibt jedoch die Leipziger Thomaskirche, wo Thios Omilos fest in das Programm der Gottesdienste eingebunden ist. Neben zahlreichen Auftritten sind die jungen Musiker alle mit einem Studium beschäftigt.
HNA (3. Juli 2009) Seufzen, Weinen, kräftiges Lachen Ensemble Thios Omilos beim Kultursommer
Wahlsburg. (Mark-Christian von Busse) Thios Omilos ist ein Begriff, der sich schwer einprägt. Die 100 Besucher, die das gleichnamige A-Cappella-Ensemble nach dem Konzert am Donnerstag in Lippoldsberg - nördlichster Veranstaltungsort des Kultursommers Nordhessen - mit dankbarem Beifall verabschiedeten, werden sich den Namen merken. Das neugriechische Thios Omilos heißt "Wilder Haufen". Die ehemaligen Thomaner präsentierten sich aber als adrette junge Männer: Philipp Goldmann, Andreas Emanuel Jessel und Patrick Grahl studieren Musik, Tobias Ay wird Psychologe, Cornelius Frommelt Mediziner. Geistliche Musik prägte den konzentrierten, in atemloser Stille aufgenommenen ersten Teil, in dem sie neben Johann Sebastian Bach auch dessen 16. Nachfolger als Thomaskantor Reverenz erwiesen: Zwei Motetten Georg Christoph Billers, eher bekannt als Thomaner-Dirigent, rahmten ihn ein. Faszinierend, wie es dem homogenen Quintett gelang, in der großen Klosterkirche mit innigen, eindringlichen Motetten und Choralsätzen Nähe, ja Intimität zu erzeugen. Ein Höhepunkt: Thomas Tallis' "If ye love me". "Nun blüht der Mai im Herzen, da muntre Knaben scherzen...", mit diesem Thomas-Morley-Madrigal eröffneten sie einen Reigen von Liebesliedern von der Renaissance zu den Beatles. Wobei die Sänger - nun selbst muntere Knaben mit geöffneten Sakkos - beide Teile geschickt verklammerten: Hans Leo Hasslers "Mein Gmüth ist mir verwirret, das macht ein Jungfrau zart" hatte dem gerade gehörten Bach-Choral "Herzlich tut mich verlangen" die Melodie gegeben. Dem "Seufftzen und Weinen" um eine unerreichbare Geliebte folgte eine sehr komische, sächsische Version des Loreley-Mythos, mit dem Bassist Philipp Goldmann sein Talent als Komponist bewies. Auch hier: eine subtile Verbeugung vor Bach.
(Wolfgang Grohmann, Merseburg) Ein Gedenkkonzert der besonderen Art fand am Muttertag in der Stadtkirche St. Petri zu Löbejün anlässlich des 140. Todestages des großen Sohnes der Stadt, des Komponisten Carl Loewe, weltberühmt vor allem durch seine Balladen wie den "Erlkönig", statt. Es ist das Verdienst der Internationalen Carl-Loewe-Gesellschaft, das Erbe dieses Komponisten zu pflegen und vor allem die wertvollen Kleinode romantischer Musik aus dessen Feder bekannter zu machen. Ein solcher Anlass bot sich mit dem Gedenkkonzert, welches im Mittelpunkt des musikalischen Blumenstraußes drei Werke aus der umfangreichen Loeweschen Literatur für Männerchor erklingen ließ. Dies waren mit "Kloster Grabow", "Der Fichtenbaum" und "Rüberettig" drei Orchideen romantischen Chorschaffens, die auf eindrückliche Weise die Vielfalt des Komponisten innerhalb dieser Gattung belegen. Fast ist es schade, dass der musikalische Blumenstrauß zu Ehren des Komponisten nicht allein in dessen Garten gepflückt wurde. Doch gerade die gezielte Auswahl der drei Kompositionen und deren Einbettung in ein Programm unter dem Motto "Liebe und Wein" mit Werken, die von der Renaissance bis zur Gegenwart reichten, verliehen dem Oeuvre Loewes besonderen Glanz. Der "Rüberettig" hatte und hat durch seine freche Derbheit kein Problem mit "Wochenend und Sonnenschein" mitzuhalten. "Kloster Grabow" besteht als Klassiker der lustigsten romantischen Männerchöre problemlos neben Mendelssohns "Liebe und Wein". Ein Edelstein des Konzertes war jedoch "Der Fichtenbaum", der, abgesehen davon, dass er in romantischer Intensität und kompositorischem Gehalt seinen Zeitgenossen in nichts nachsteht, zeigte, wie sehr die Musik Carl Loewes geeignet ist, Gänsehaut zu erzeugen. Vielleicht war es auch dieser Titel, der bei dem ehemaligen Thomaner und jetzigen Psychologiestudenten Tobias Ay zu einer leichten Irritation führte, als er während einer Ansage Carl Loewe richtigerweise den zweiten Vornamen "Johann" verlieh (Johann Gottfried Carl Loewe ist der vollständige Name.). Vielleicht war es auch ein unwillkürlicher Versprecher, der jedenfalls für Heiterkeit sorgte. Die fünf von "Thios Omilos" sind im Thomanerchor groß geworden, haben sich als Kinder tagein tagaus an den Tönen Bachs messen lassen müssen. Wer dessen Musik "von innen" kennt, nennt nur "Johann", was diesen Namen verdient hat. "Der Fichtenbaum" gehört dazu. Es ist aber auch das Verdienst der fünf Herren von "Thios Omilos", (zu deutsch so viel wie "göttlicher Haufen"), den vorgetragenen Werken Seele eingehaucht zu haben. Brillanter Klang, spritzige, lebendige Interpretation – man möchte sich in Erinnerung an aktuelle Casting-Shows in "hammermäßigen" Superlativen verlieren. Die Qualität eines wirklich guten Chores zeigt sich jedoch in seinen unter die Haut gehenden leisen Tönen, welche das Quintett meisterhaft beherrschte. Es mag Zufall gewesen sein, dass Carl Loewes Blick vom im Altarraum aufgestellten Bild zur Kanzel gerichtet war, während sein rechter Zeigefinger auf die Interpreten wies, als wolle er auf die Musik hinweisen, die gleichsam als kleine Schwester der Theologie die Herzen der Menschen erreicht und verändert. Dass dies mit "Thios Omilos" durch fünf junge Menschen geschieht, die sich neben geselligen Werken wie im Programm "Liebe und Wein" vor allem der Pflege geistlicher Musik verpflichtet fühlen, ehrt den Komponisten auf eine besonders anrührende Weise. Dass dies in einer mit über 450 Besuchern bis zum letzten Platz gefüllten Kirche geschah, ehrt neben dem Komponisten auch die hervorragenden Interpreten.
Bonner Generalanzeiger (17.12.2008)
Bad Godesberg. (Ebba Hagenberg-Miliu) Die Konzertvorbereitungen der fünf jungen Männer auf der Bühne des evangelischen Gemeindehauses an der Kronprinzenstraße beobachtet Nikolaus Frommelt mit ernstem Gesicht. Na ja, das aktuelle Repertoire des Quintetts Thios Omilos gefalle ihm ganz gut. „Aber ich singe am liebsten Kirchenmusik“, sagt der 14-Jährige und grinst. […] Der „göttliche Haufen“, so der Name des Ensembles, intoniert Edvard Grieg-Lieder, aber durchaus auch leichtere Kost. „Traubenblut, das stärket deinen Mut, dieses edle Gut“ wird da musikalisch gereimt. „Wir sind hier aber relativ schnell“ und „wir sollten es nicht so fett singen“, kritisieren sich die Fünf gegenseitig und heben nochmals an. […]
Thios Omilos hat sich so wie das Starensemble „Die Prinzen“ aus ehemaligen Thomanern gebildet. Und Cornelius Frommelt, der nach dem Abitur ein Kunstgeschichtsstudium begann, hatte schon als Neunjähriger Godesberg in Richtung Leipzig verlassen. […] „Es bildet sich in der Chorgemeinschaft so viel Wunderbares. Man hat alle seine Freunde immer um sich herum“, drückt das Cornelius nach der Probe aus. „Wir sind wie Brüder, die sich auch mal auf die Nerven gehen können, die aber gemeinsam etwas Tolles schaffen“, definieren seine Thios-Omilos-Mitsänger das Leipziger Gemeinschaftsgefühl. Und dann feilen Cornelius und Mit-Tenor Patrick Grahl, Bariton Tobias Ay sowie die beiden Bässe Emmanuel Jessel und Philipp Goldmann schon wieder akribisch an ihrem aktuellen Programm.
Demnächst wollen sie Evergreens und Beatles-Songs singen. „Auch an Pop-Arrangements kommen wir nicht mehr vorbei“, bekennen sie. Sie würden jedes Jahr in ihren Konzerten besser, meinen die jungen Männer. Und ihr Studium in Leipzig wolle ja schließlich auch finanziert werden.
Rhein-Neckar-Zeitung (Oktober 2008) Applaudiert werden durfte erst nach der Pause
Drei Zugaben waren nötig, ehe das Konzert für das A-Cappella-Ensemble „Thios Omilos“ zu Ende ging
Lobbach-Lobenfeld. (csw) In der Klosterkirche herrscht atemlose Stille. In dunklen Anzügen und mit tiefrotem Hemden stehen fünf junge Männer vor der Apsis und heben an, ihrem Namen, „Thios Omilos“, alle Ehre zu machen. Denn der Name des A-Cappella-Ensembles bedeutet nicht weniger als „göttlicher Haufen“.
Mit Franz Schuberts „Salve Regina“ begrüßen die ausgebildeten Thomaner nicht nur die Himmelskönigin sondern auch die Zuhörer, die dicht gedrängt im Haupt- und Querschiff der Kirche Platz genommen haben. Die Stimmen sind glasklar.
Als Mitglieder des Thomaner-Knabenchores erhielten sie in Leipzig nicht nur eine gymnasiale, sondern auch eine fundierte musikalische und vor allem gesangliche Ausbildung. Kein Applaus unterbricht die Darbietung der ersten Programmhälfte. Das Ensemble hatte extra darum gebeten. Manch einen juckt es zwar in den Händen, doch der Vortrag wird nicht gestört. Umso wärmer fällt der Applaus zu Beginn der Pause aus.
Nach sakralen Stücken aus der Feder von Schubert, Volkmann, Bach und anderen Thomaskantoren geht es im zweiten Teil lebhafter und vor allem weltlicher zu. Die Blicke fliegen zwischen Patrick Grahl, Philipp Goldmann, Emanuel Jessel, Cornelius Frommelt und Tobias Ay nur so dahin. Die Einsätze sollen schließlich passen. „Es ist eine subtile Art der Kommunikation“, beschreibt es Emanuel Jessel, mit einer Stimme, die kaum vermuten lässt, dass er, wie Philipp Goldmann auch, im Bass singt.
Als Liebhaber der Romantik beginnt Thios Omilos die zweite Hälfte mit Stücken von Edvard Grieg und landet zur Halbzeit bei einem zeitgenössischem Trinklied, das ein befreundeter Musiker, Mathias Monrad Møller, dem 2002 gegründetem Ensemble gewidmet hat. Lachfältchen zeigen sich in den Gesichtern, als das Ensemble erklärt, worum es in dem Lied überhaupt geht: Eine Fliege ertrinkt in Erdbeermilch.
Als Musikgruppe die auf Instrumentalbegleitung verzichtet, dürfen die großen Vorgänger dieser Zunft natürlich im Programm nicht fehlen: die „Comedian Harmonists“. Von ihnen trällert Thios Omilos den Klassiker „Wochenend und Sonnenschein“ und versetzt damit die gesamte Kirche in Schwingung. Drei Zugaben sind schließlich nötig, ehe das Publikum bereit ist, die begabten und ausgefrorenen jungen Männer aus Leipzig, ziehen zu lassen.
Rhein-Neckar-Zeitung (20.9.2008)
Gesang zu fünft - Vokalensemble „Thios Omilos“ auf Deutschlandtournee in Mosbach
Das junge Männerquintett aus Leipzig gastierte in der Stiftskirche mit a cappella Musik von Bach bis zu den Beatles
(Pia Geimer) Fünf junge Herren in elegantem Schwarz-Weiß, fünf flache schwarze Notenpulte. Ein kleines Emblem aus fünf schlanken Säulen auf den Krawatten bildet das Markenzeichen des fünfköpfigen Männervokalensembles „Thios Omilos“, welches am vergangenen Donnerstag in der Stiftskirche zu Gast war. Der Name stammt aus dem Neugriechischen und bedeutet in etwa ‚Der göttliche Haufen, die göttliche Schar’, ein passender Name, der gleichermaßen klassischen Anspruch wie auch eine gewisse fröhliche Lockerheit beinhaltet. Bereits mit dem ersten Stück, Franz Schuberts „Salve regina“, setzten die Fünf mit aufregend präziser Intonation und schön gewichtetem Ensembleklang ein weiteres Markenzeichen. Als ehemalige Thomaner wissen sie mit Kirchenakustiken umzugehen und bewiesen auch hier in Mosbach, dass es keine große Besetzung braucht, um die Stiftskirche zum Schwingen zu bringen. Geschickte und abwechselnde Hervorhebungen der Choralmelodie durch die beiden hohen Tenorstimmen ließen den vierstimmigen Satz „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ von Johann Sebastian Bach mal wie ein Chorstück, mal wie eine Solostrophe wirken, wobei vor allem Patrick Grahl mit seinem wunderschönem Tenor Akzente setzte. „Kyrie und Gloria“ von Robert Volkmann (1815-1883) aus der Messe As-Dur zeigten komplexe romantische Harmonik, die dank der warmen baritonalen Stimmen des Ensembles ihren chorischen Charakter auch in der solistischen Besetzung beibehielt. Es folgten Chorsätze ehemaliger Leipziger Thomaskantoren, welche im Repertoire von „Thios Omilos“ immer noch eine große Rolle spielen: „Was Gott tut, das ist wohlgetan“ von Johann Sebastian Bach, das Danklied „Dass unser Gott uns Leben gab“ von Johann Adam Hiller (1728-1804) und schließlich „Veni, sancte spiritus“ von Johann Gottfried Schicht (1753-1823). Hiller gilt heute als Mitbegründer des deutschen Singspiels und einer der Väter der deutschsprachigen Oper, Schicht hatte für die Berufung an die Thomaskirche sogar seine Kapellmeistertätigkeit am Leipziger Gewandhaus aufgegeben, was den besonderen Stellenwert dieser Position zur damaligen Zeit dokumentiert.
Nach der Pause zeigten sich die fünf Sänger zu allerlei weltlichem Schabernack aufgelegt, der mit derselben musikalischen Akribie vorgetragen wurde wie die ernsthaften geistlichen Gesänge im ersten Teil. Drei Lieder aus dem Album für Männergesang von Edvard Grieg (1843-1907) erwiesen sich als Beitrag zum Artenschutz, wie Emanuel Jessel als Vertreter der seltenen Spezies Bass einleitend erklärte. Mit sichtlichem Genuss schwang er sich denn auch in seinem Solo aus der Basstiefe zu unglaublichen Höhen auf, die sonst nur der ebenfalls seltenen Spezies der echten Tenöre vorbehalten sind. Wie schön für das geneigte Publikum, hier gleich zwei dieser seltenen Arten in freier Wildbahn hören zu können! Patrick Grahls Tenor erinnerte in seiner gebändigten Kraft und geschmeidigen Höhe ein wenig an den jungen Peter Schreier, während Jessels Bass mit sicherer Intonation und gekonnter Linienführung ein tragendes Fundament für den wunderbaren Gesamtklang des Ensembles lieferte. Auch für den weniger seltenen, aber ebenfalls markanten Bariton von Tobias Ay gab es einige schöne Soli im Laufe des Abends, bei denen er sich bestens disponiert zeigte. Weiter ging’s mit zwei Trinkliedern von Felix Mendelssohn Bartholdy (nach Texten von Goethe) und einem musikalischen Scherz des jungen Ex-Thomaners Mathias Monrad Møller (*1988), den dieser für seine Freunde von „Thios Omilos“ geschrieben hat. Flüsternd, sprechend und singend entspann sich vor den Ohren der überraschten Zuhörer ein witziges Minidrama um eine in Erdbeermilch ersaufende Fliege, die nach einigem Gezappel heldenhaft den Zuckertod stirbt. Der Norweger Halfdan Kjerulf (1815-1868) war der Komponist des von süßen Vokalisen geprägten „Quand tu chantes“ nach einem Text von Victor Hugo. Den Abschluss des Programms bildeten schwungvoll arrangierte Lieder der Comedian Harmonists („Wochenend und Sonnenschein“) und David Lochners („This day“ und „Last time babe“), in denen vor allem die beiden Spaßvögel Philipp Goldmann am Bariton und Cornelius Frommelt am Tenor sich darstellerisch austoben konnten. Das Publikum erklatschte sich als Zugabe noch die für die Kings’s Singers arrangierte Madrigalversion von „Money can’t buy me love“ von den Beatles und den „Zauber der spanischen Nächte“ von den Comedian Harmonists. Bleibt zu hoffen, dass dies nicht der letzte Auftritt dieses aufstrebenden jungen Vokalensembles in Mosbach war.
junge Welt am 17.06.2008 (über den Auftakt des Leipziger Bachfestes 2008)
(...) Entschädigt wurde man am Sonnabend morgen in der Nikolaikirche durch eine gelungene Mette, in der das Leipziger Männervokalensemble Thios Omilos einen wunderbaren Bogen vom Renaissancemeister Orlando di Lasso über Bach bis zu Werken von Thomaskantoren des 20. Jahrhunderts spannte.
Kieler Nachrichten (16. September 2009) Vokalquartett Thios Omilos: Chorale Brückenschläge zwischen Welten
Kiel. (Jörg Meyer) - Dass Thios Omilos, was so viel wie „göttlicher" oder „wilder Haufen" heißt, bei ihrem A-cappella-Konzert im Bach-Saal der CAU wegen des erkrankten zweiten Tenors Cornelius Frommelt nur zu viert auftreten (Patrick Grahl, Tenor, Tobias Ay Bariton, Philipp Goldmann und Emanuel Jessel, Bass), tut der stimmlichen Kraft der ehemaligen Mitglieder des Leipziger Thomaner-Chors kaum Abbruch. Das wird schon im als Eingangsgebet für den Auftritt verstehbaren Herr, tue meine Lippen auf vom gegenwärtigen Thomaskantor Georg Christoph Biller deutlich. Selbst in den modernen Harmonien wird hier der Geist Johann Sebastian Bachs spürbar. Überhaupt inszeniert das Quartett selbst die weltlichen Kompositionen des zweiten Konzertteils, der über Couplets der Comedian Harmonists bis zu Can't Buy Me Love von den Beatles in einem „Madrigal"-Arrangement der King's Singers reicht, nicht so, wie man es im A-cappella-Genre gewohnt ist. Thios Omilos verstehen sich nicht als konzertanter Haufen von A-cappella-Solisten. führt nicht nur zu in ihrer Schlichtheit hoch transparenten Interpretationen von Bach-Chorälen, sondern kommt auch dem romantischen Repertoire des Quartetts zugute. Zumal es in dessen weltlichem Teil wahre Raritäten zu entdecken gibt. Wo „Alkohol, Liebe, Exzesse und Todessehnsucht", so Emanuel Jessel scherzhaft, eine romantisch fließende Allianz bilden, adelt der Jubiliar Felix Mendelssohn-Bartholdy derbe Trinklieder von Goethe und feinsinnigen Preziosen, wenn der diesmal durchaus „wilde Haufen" sie so singt, dass man ahnt, dass „Weinseligkeit" eine göttliche sein kann. Auch romantische „Komponisten der (vermeintlichen) B-Liga" schaffen so den Klassensprung. Namentlich Carl Löwes Der Fichtenbaum nach einem Gedicht von Heinrich Heine. Der Herausgeber der Erstausgabe irrte nicht, als er das fugierte „Schlummermotiv" am Beginn und den „prachtvollen Übergang zur zweiten Strophe" als „höchste Kunst des Männerchorgesangs" lobte, wie Philipp Goldmann kolportiert. Zwischen Löwes kecker Ballade vom Kloster Grabow und Billers seidigem Verleih uns Frieden liegen nicht nur Zeiten, sondern auch Welten. Dennoch gelingt es Thios Omilos, über beides chorische Brücken zu schlagen und so in geistlicher wie weltlicher Musik die gemeinsame Schnittmenge offenzulegen. Der Geist, gerade der göttliche, wird Welt in der Gewitztheit - vielleicht die schönste Entdeckung dieses Abends.
HNA (22. Juli 2009) Die Beatles mal anders Kultursommer-Konzert mit fünf Vokalartisten aus Leipzig
Altmorschen. (ylb) Ungewohnte Klänge schallten am Dienstagabend aus der Kirche des Klosters Haydau. Dort begeisterte das Vokalensemble Thios Omilos - zu deutsch der göttliche Haufen - mit Motetten, Choralsätzen, Madrigalen und Beatles-Klassikern. Veranstalter war der Kultursommer Nordhessen. Das fünfköpfige Ensemble legte punkt 20 Uhr in der vollbesetzten Kirche mit einem Stück von Georg Christoph Biller los. Dabei verwöhnten die Sänger ihre Zuhörer wie überhaupt im ersten Konzertteil mit Stücken von Johann Sebastian Bach und geistlicher Musik, indem sie der Konzertgemeinde die vielen Klangfarben ihrer Stimmen offenbarten. Nach einer kurzen Pause wechselte das Vokalensemble das Programm und zeigte, dass geistliche und weltliche Literatur von der Renaissance bis hin zur Moderne gar nicht weit auseinander liegen muss. Dass der Abend ein voller Erfolg war, zeigten die Rückmeldungen der Zuhörer. "Ich bin einfach begeistert von Thios Omilos, jede Stimme ist für sich etwas besonderes", sagte Gerda Schotola aus Kassel. Auch ihre Freundin Erika Mühlstein, die den Weg von Vellmar nach Morschen fand, kam aus dem Staunen kaum raus: "Die Lieder gingen unter die Haut". Michael und Brunhilde Joost, die aus der Gemeinde Fuldatal angereist waren, konnten bereits in Leipzig den vollen Thomanerchor erleben, jetzt wollten sie das Quintett als Einzelensemble hören. "Dass fünf Stimmen allein so toll klingen, hätten wir nicht gedacht. Es war ein akustischer Genuss". Seit 2002 gibt es das Männervokalensemble Thios Omilos, das aktive Mitglieder des Leipziger Thomanerchores gründeten. Seither überzeugen die fünf Sänger Patrick Grahl, Cornelius Frommelt, Tobias Ay, Philipp Goldmann und Andreas Emanuel Jessel mit Vielseitigkeit bei Konzerten im In- und Ausland. 2007 reisten die Vokalartisten beispielsweise bis nach China, um ihr Können zu präsentieren. Ihre musikalische Heimat bleibt jedoch die Leipziger Thomaskirche, wo Thios Omilos fest in das Programm der Gottesdienste eingebunden ist. Neben zahlreichen Auftritten sind die jungen Musiker alle mit einem Studium beschäftigt.
HNA (3. Juli 2009) Seufzen, Weinen, kräftiges Lachen Ensemble Thios Omilos beim Kultursommer
Wahlsburg. (Mark-Christian von Busse) Thios Omilos ist ein Begriff, der sich schwer einprägt. Die 100 Besucher, die das gleichnamige A-Cappella-Ensemble nach dem Konzert am Donnerstag in Lippoldsberg - nördlichster Veranstaltungsort des Kultursommers Nordhessen - mit dankbarem Beifall verabschiedeten, werden sich den Namen merken. Das neugriechische Thios Omilos heißt "Wilder Haufen". Die ehemaligen Thomaner präsentierten sich aber als adrette junge Männer: Philipp Goldmann, Andreas Emanuel Jessel und Patrick Grahl studieren Musik, Tobias Ay wird Psychologe, Cornelius Frommelt Mediziner. Geistliche Musik prägte den konzentrierten, in atemloser Stille aufgenommenen ersten Teil, in dem sie neben Johann Sebastian Bach auch dessen 16. Nachfolger als Thomaskantor Reverenz erwiesen: Zwei Motetten Georg Christoph Billers, eher bekannt als Thomaner-Dirigent, rahmten ihn ein. Faszinierend, wie es dem homogenen Quintett gelang, in der großen Klosterkirche mit innigen, eindringlichen Motetten und Choralsätzen Nähe, ja Intimität zu erzeugen. Ein Höhepunkt: Thomas Tallis' "If ye love me". "Nun blüht der Mai im Herzen, da muntre Knaben scherzen...", mit diesem Thomas-Morley-Madrigal eröffneten sie einen Reigen von Liebesliedern von der Renaissance zu den Beatles. Wobei die Sänger - nun selbst muntere Knaben mit geöffneten Sakkos - beide Teile geschickt verklammerten: Hans Leo Hasslers "Mein Gmüth ist mir verwirret, das macht ein Jungfrau zart" hatte dem gerade gehörten Bach-Choral "Herzlich tut mich verlangen" die Melodie gegeben. Dem "Seufftzen und Weinen" um eine unerreichbare Geliebte folgte eine sehr komische, sächsische Version des Loreley-Mythos, mit dem Bassist Philipp Goldmann sein Talent als Komponist bewies. Auch hier: eine subtile Verbeugung vor Bach.
(Wolfgang Grohmann, Merseburg) Ein Gedenkkonzert der besonderen Art fand am Muttertag in der Stadtkirche St. Petri zu Löbejün anlässlich des 140. Todestages des großen Sohnes der Stadt, des Komponisten Carl Loewe, weltberühmt vor allem durch seine Balladen wie den "Erlkönig", statt. Es ist das Verdienst der Internationalen Carl-Loewe-Gesellschaft, das Erbe dieses Komponisten zu pflegen und vor allem die wertvollen Kleinode romantischer Musik aus dessen Feder bekannter zu machen. Ein solcher Anlass bot sich mit dem Gedenkkonzert, welches im Mittelpunkt des musikalischen Blumenstraußes drei Werke aus der umfangreichen Loeweschen Literatur für Männerchor erklingen ließ. Dies waren mit "Kloster Grabow", "Der Fichtenbaum" und "Rüberettig" drei Orchideen romantischen Chorschaffens, die auf eindrückliche Weise die Vielfalt des Komponisten innerhalb dieser Gattung belegen. Fast ist es schade, dass der musikalische Blumenstrauß zu Ehren des Komponisten nicht allein in dessen Garten gepflückt wurde. Doch gerade die gezielte Auswahl der drei Kompositionen und deren Einbettung in ein Programm unter dem Motto "Liebe und Wein" mit Werken, die von der Renaissance bis zur Gegenwart reichten, verliehen dem Oeuvre Loewes besonderen Glanz. Der "Rüberettig" hatte und hat durch seine freche Derbheit kein Problem mit "Wochenend und Sonnenschein" mitzuhalten. "Kloster Grabow" besteht als Klassiker der lustigsten romantischen Männerchöre problemlos neben Mendelssohns "Liebe und Wein". Ein Edelstein des Konzertes war jedoch "Der Fichtenbaum", der, abgesehen davon, dass er in romantischer Intensität und kompositorischem Gehalt seinen Zeitgenossen in nichts nachsteht, zeigte, wie sehr die Musik Carl Loewes geeignet ist, Gänsehaut zu erzeugen. Vielleicht war es auch dieser Titel, der bei dem ehemaligen Thomaner und jetzigen Psychologiestudenten Tobias Ay zu einer leichten Irritation führte, als er während einer Ansage Carl Loewe richtigerweise den zweiten Vornamen "Johann" verlieh (Johann Gottfried Carl Loewe ist der vollständige Name.). Vielleicht war es auch ein unwillkürlicher Versprecher, der jedenfalls für Heiterkeit sorgte. Die fünf von "Thios Omilos" sind im Thomanerchor groß geworden, haben sich als Kinder tagein tagaus an den Tönen Bachs messen lassen müssen. Wer dessen Musik "von innen" kennt, nennt nur "Johann", was diesen Namen verdient hat. "Der Fichtenbaum" gehört dazu. Es ist aber auch das Verdienst der fünf Herren von "Thios Omilos", (zu deutsch so viel wie "göttlicher Haufen"), den vorgetragenen Werken Seele eingehaucht zu haben. Brillanter Klang, spritzige, lebendige Interpretation – man möchte sich in Erinnerung an aktuelle Casting-Shows in "hammermäßigen" Superlativen verlieren. Die Qualität eines wirklich guten Chores zeigt sich jedoch in seinen unter die Haut gehenden leisen Tönen, welche das Quintett meisterhaft beherrschte. Es mag Zufall gewesen sein, dass Carl Loewes Blick vom im Altarraum aufgestellten Bild zur Kanzel gerichtet war, während sein rechter Zeigefinger auf die Interpreten wies, als wolle er auf die Musik hinweisen, die gleichsam als kleine Schwester der Theologie die Herzen der Menschen erreicht und verändert. Dass dies mit "Thios Omilos" durch fünf junge Menschen geschieht, die sich neben geselligen Werken wie im Programm "Liebe und Wein" vor allem der Pflege geistlicher Musik verpflichtet fühlen, ehrt den Komponisten auf eine besonders anrührende Weise. Dass dies in einer mit über 450 Besuchern bis zum letzten Platz gefüllten Kirche geschah, ehrt neben dem Komponisten auch die hervorragenden Interpreten.
Godesberger singen im Thomanerchor Die Brüder Nikolaus und Cornelius Frommelt erfahren in Leipzig Gemeinschaftsgefühl und strenge Disziplin