KLASSIK.COM (21. Mai 2011) Thios Omilos - Kontraste in der deutschen Kirchenmusik: Werke von Gallus, Hassler & Schein
(Dr. Matthias Lange) Das junge Leipziger Ensemble Thios Omilos hat sich – ähnlich anderen Vorbildern – im Umkreis des Thomanerchors formiert und präsentiert mit der vorliegenden Platte einen konzeptionell ambitionierten Ansatz: Unter dem Titel ‚Kontraste in der deutschen Kirchenmusik um 1600‘ beinhaltet sie mit ausgewählten Werken Jacobus’ Gallus’ (1550-1591), Hans Leo Hasslers (1546-1612) und Johann Hermann Scheins (1586-1630) Kompositionen dreier gewichtiger Größen geistlicher Musik des deutschen Kulturraums in einer überblicksartigen Zusammenschau. Hassler ist neben kurzen Motetten mit der gleichfalls knapp gehaltenen 'Missa Dixit Maria' vertreten: Seine Arbeiten sind von einer gewissen Eleganz geprägt, natürlich noch Teil der sich wandelnden kontrapunktischen Tradition, aber doch im Satz schon nach venezianischem Muster aufgelockert und zunehmend entfernt von der strukturellen Komplexität älterer Vorbilder. Ähnliches gilt für die Sätze aus der Feder des überwiegend im österreichisch-böhmischen Kontext aktiven Jacobus Gallus: Seine oft schlicht homophonen Motetten verraten einen feinen Klangsinn und sind zugleich noch sacht durchsetzt von imitierenden Abschnitten. Ganz anders ist die Lage bei Johann Hermann Schein: Er – freilich auch deutlich jünger – zeigt sich mit der Form des im 17. Jahrhundert auf Jahrzehnte hin prägenden geistlichen Konzerts ästhetisch am modernsten. Die im Programm vertretenen Konzerte aus den ‚Opella nova’ sind im engeren Wortsinn tatsächlich neu und lassen die Frage aufkommen, ob nicht eine Konfrontation mit älteren Arbeiten seines unmittelbaren Umfelds – etwa mit Kompositionen seines Vorgängers als Thomaskantor Sethus Calvisius – nicht noch interessantere Ergebnisse hätte bringen können. Hier wäre ein etwas engerer programmatischer Fokus vielleicht hilfreich gewesen. Die fünf jungen Stimmen von Thios Omilos finden zu einem homogenen Klang zusammen: Das sind im Einzelnen die Tenöre Patrick Grahl und Cornelius Frommelt, der Bariton Tobias Ay sowie die Bässe Philipp Goldmann und Emanuel Jessel. Sie zeigen in harmonischen Registern erstaunliche Stärken im Lyrischen, in den homophonen Passagen. In diesen fließenden, klangsinnlichen Stücken entfalten sie ein ansprechendes Klangpotenzial. [...] Auch die Konzerte Scheins gelingen überzeugend. [...] Insgesamt zeigt die Platte eine erfreuliche Basis: Zusammenklang, Harmonie der Register, generelle Intonation und die Fähigkeit zum strömenden Klang sind keine geringen Qualitäten. Dazu gesellt sich die offenkundige Befähigung zur ambitionierten Programmgestaltung. [...] Die Platte ist in der Summe ein erfreuliches Achtungszeichen in interessantem Repertoire.
kreuzer online (Mai 2011) "Thios Omilos: Gallus - Hassler - Schein"
Dass fünf ehemalige Thomaner gemeinsam singen, ist nichts Neues: Neben dem Ensemble Amarcord gibt es immer wieder verschiedene Formationen, die ihre Wurzeln im Thomanerchor haben – und in Kleinigkeiten unterscheiden sich die Gruppen meist auch voneinander. Bei Thios Omilos muss man allerdings genauer hinhören, denn Patrick Grahl, Cornelius Frommelt, Tobias Ay, Philipp Goldmann und Emanuel Jessel singen nicht nur in der gewohnten Amarcord-Besetzung – das Repertoire ihrer Debüt-CD gleicht auch der Frühphase der renommierten Kollegen. Auch wenn Hasslers »Dixit Dominus«-Messe als Zentralwerk eine Repertoire-Lücke schließt, ist sie umgeben von deutscher Kirchenmusik an der Schwelle vom 16. zum 17. Jahrhundert, die man so schon unzählige Male gehört hat. Das ist schade, denn dem seit fast einem Jahrzehnt existierenden Ensemble hätte mehr Individualität gutgetan. Musikalisch ist die Truppe nämlich hervorragend aufgestellt: Die fünf Herren mischen sich zu einem klangvollen Ensemble, das Patrick Grahls lyrischer Tenor wie eine Crema auf einem Espresso perfekt abrundet.
Neue Chorzeit (Mai 2011) "Gallus -Hassler - Schein: Kontraste in der deutschen Kirchenmusik um 1600"
(Andreas Frese) Mit seiner Debut-CD bei Rondeau legt das junge Ensemble Thios Omilos eine beeindruckende Visitenkarte vor. Auf ihrer Aufnahme vereinen sie Werke der Komponisten Hans Leo Hassler, Jacobus Gallus und Johann Hermann Schein – Kontraste der deutschen Kirchenmusik um 1600, so der Titel. A-cappella-Werke stehen neben generalbassbegleiteten ChoraIkonzerten, in denen die Sänger solistisch auftreten. Gegründet wurde das Ensemble von seinen fünf Sängern 2002 bereits während ihrer Mitgliedschaft im Leipziger Thomanerchor. Inzwischen hat das Ensemble eine umfangreiche Konzerttätigkeit aufgenommen, die sie zuzahlreichen Festivals in Deutschland, aber auch bis nach China und Taiwan geführt hat. lm Ensemble fügen sich die fünf hervorragenden Einzelstimmen zu einem äußerst homogenen und harmonischen Gesamtklang zusammen. Die samtene Klangfülle nimmt den Hörer sofort in ihren Bann und lässt in den Werken Hasslers und Gallus' beinahe die solistische Besetzung vergessen. Es gibt neben bekannten Werken wie Hasslers äußerst frisch und unverbraucht gesungenes "Cantate Domino" auch Neues zu entdecken, was die Literatur für diese Besetzung in der Zeit um 1600 zu bieten hat. ln unzähligen Klangfarben spüren die Sänger den unterschiedlichen Satzstrukturen der Kompositionen nach und geben jedem Stück ein unverwechselbares Profil. Eingestreut in die A-cappella-Werke Hasslers und Gallus' finden sich einige Geistliche Konzerte für zwei bis drei Stimmen und Basso Continuo des Thomaskantors Johann Hermann Schein, in denen die Sänger von Gambe und Orgel begleitet werden. Diese im Original eigentlich für die Soprane des Thomanerchores vorgesehenen Stücke bieten einen guten Kontrast und lassen die Einzelstimmen der Sänger gut zur Geltung kommen. Diese Aufnahme macht Lust auf mehr vom Ensemble Thios Omilos.
TLZ (April 2011) Thomaner auf Abwegen
Das Wunderbare liegt oft abseits ausgetretener Pfade: So begibt das Leipziger Männervokalquintett Thios Omilos sich gern auf die Suche und praktiziert auf seiner Debüt-CD a-cappella-Kirchenmusik von Hans Leo Hassler (1546-1612), Jacobus Gallus (1550-1591) und Johann Hermann Schein (1586-1630). Das öffnet in liturgischem Rahmen sogar dem modern-rationalen Hörer spirituelle Räume, entzückt in gediegener Polyphonie und stiftet allemal Kontemplation. Nur die Kunstfertigkeit der Sänger überrascht nicht – waren sie doch samt und sonders Thomaner.
L'education musicale (April 2011) "Gallus - Hassler - Schein"
Ce quintette vocal, formé de 5 jeunes chanteurs, s’impose déjà avec son premier CD. Spécialisé dans la musique vocale religieuse et profane, de la Renaissance à l’époque moderne, il propose un programme en or pour trois temps liturgiques : Noël, Pâques et Ascension. Très contrasté, il confronte tradition et modernité avec des oeuvres de Jacobus Gallus (Händl, 1550-1591), entre autres cantor à Prague ; la Missa dixit Maria de Hans Leo Hassler (1564-1612), l’un des premiers musiciens allemands ayant séjourné à Venise, organiste de chambre à la cour de Dresde ; et Johann Hermann Schein (1586-1630), à 13 ans, enfant de choeur à la chapelle de la cour de Dresde, réputé par son Cantional (recueil de chorals pour la Confession d’Augsbourg, 1637). Toutes ces pièces latines et allemandes sont indissociables d’un cadre liturgique. L’ensemble se termine par un chant de joie : Laetentur coeli et exultet terra (Hassler). L’ensemble Thios Omilos a signé un premier disque si prometteur que les discophiles attendent le suivant avec impatience…
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